Jess Jochimsen 22. Oktober 2011.
KabarettEin Kabarett der leisen Sorte zeigte Jess Jochimsen im Thurnauer Schloss. Der 41-Jährige hatte manchmal sogar ganz ohne Worte die Lacher auf seiner Seite, indem er Fotos zeigte, die mehr zu sagen vermochten als jeder Kommentar. Er streifte Fehltritte von Politikern, beleuchtete Protestaktionen wie "Occupy Frankfurt", widmete sich aber auch strickenden Müttern, die ihre Söhne mit braunen Strumpfhosen und Fäustlingen martern. "Ein kleines bischen Sicherheit" sei der Trend der Zeit, das hat er ausgemacht.
BR vom 24. Oktober 2011
Valerija Shishkova und Ensemble 24. Sept. 2011.
Jiddische LiederManche Künstler begeistern durch die Brillanz ihres Vortrags, manche durch die besondere Ausstrahlung. Valerija Shishkova tut beides. Die Interpretin . zog im Kutschenhaus des Schlosses ihre Gäste mit warmherzig vorgetragenen jiddischen Liedern in ihren Bann. Es war ihre charmant-humorvolle Art, ihren Zuhörern Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stücken zu geben, die diesen Abend so besonders machte. Ihre Prophezeiung, dass sich das Publikum am Ende des Abends mit ihr auf Jiddisch unterhalten könne, erfüllte sich natürlich nicht ganz, aber dank der Übersetzung einiger Passagen konnte man von den jiddischen Gesängen verblüffend viel verstehen. Es war ein ständiges Wechselbad zwischen guter Laune und Gänsehautstimmung, in die Shishkova ... mit ihrer anmutig weichen Stimme versetzte.
NBK vom 26. Sept. 2011
Hommage an Robert Gernhardt, 14. Mai 2011.
Lesung.
Wie soll man einem so großartigen Dichter und Erzähler, Zeichner und Maler beikommen? Es ist schwer, doch Wolfgang Ziller ist das Kunststück am Samstag im Thurnauer Schloss in seinem Leseabend gelungen: die Erinnerung an Robert Gernhardt lebendig zu halten. In seiner Hommage ließ der Vortragende die ersten Minuten des Gernhardt´schen Auftritts am 21. April 2001 Revue passieren. Die öffentliche Anerkennung für den ehemaligen Redakteur des Satiremagazins „Pardon“ und Mitbegründer der Zeitschrift „Titanic“ sei spät gekommen. Heute gilt der Wegbereiter der „Neuen Frankfurter Schule“ als bedeutendster Lyriker der Gegenwart. „Die große Menge wird mich nie begreifen, die Pfeifen“, zitiert der Lesende den Dichter, von dem er nahezu alles aufgesogen habe, was ihm in die Finger gekommen sei. Zu dem Leseabend brachte er unter anderem Auszüge aus „Gesammelte Gedichte“, „Lichte Gedichte“, „Später Spagat“ mit. Erst kürzlich erschien aus dem Nachlass „Toskana mia“, tagebuchartige Notizen der letzten Jahre aus seinem Zweitwohnsitz Italien. So gilt bis zuletzt: „Wer schreibt, der bleibt, wer spricht, der nicht.“
NBK vom 17. Mai 2011
Vor genau zehn Jahren begeisterte Robert Gernhardt im Kutschenhaus sein Publikum. Seinen für 2006 geplanten Besuch musste der Dichter, Journalist, Kritiker, Lyriker, Maler, Karikaturist und Satiriker aus gesundheitlichen Gründen absagen, kurze Zeit später erlag er seinem Krebsleiden. Doch in einer Hommage an den Ausnahme-Schriftsteller ließ Wolfgang Ziller vom Verein „Kultur in Thurnau“ den legendären Dichter nun wiederauferstehen. Ziller schaffte es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen und den trockenen, teilweise sogar zynischen Humor des Autors plakativ und ohne große Gesten für sich sprechen zu lassen.
BR vom 17. Mai 2011
Pindakaas, 9. April 2011.
Saxophon-Quartett.
Wer dem „Voyage“ (Reise) titulierten Kunstgenuss im Kutschenhaus des Thurnauer Schlosses gefolgt war, konnte sich glücklich schätze, die richtige Route eingeschlagen zu haben. Denn das Pindakaas-Saxophon-Quartett, vom Verein Kultur in Thurnau eingeladen, bescherte den Besuchern einen außergewöhnlichen, überaus reizvollen Abend mit einem Instrument, dessen […] Tonreichtum Aufsehen erregte und zuweilen die Grenzen des Möglichen zu überwinden schien. Mattias Schrödert (Baritonsaxophon), Anja Heix (Tenorsaxofphon), Guido Großpietsch (Altsaxophon) und Marcin Langer (Sopransaxophon) führten durch sechs Jahrhunderte Musikgeschichte mit solcher Leichtigkeit, Eleganz und der absoluten Beherrschung selbst schwierigster Variationen, dass dem Publikum nichts anders übrig blieb, als sich bei den vier sympathischen Interpreten mit ausdauerndem, lautstarken Beifall zu bedanken. Pindakaas kann Stimmungen wundervoll vermitteln, wie anschließend bei „Golliwog´s Cake Walk“ von Debussy in jazzig angedeuteter Brillanz oder die spanischen Elemente aus der „Suite espagñola“. Das wohl interessanteste Stück des Abends war der „Chinese Rag“ von Jean Matitia. In kleinen trippelnden Schritten kamen die Tonfolgen spielerisch daher. Den Schalk der vier spürte man hinter nahezu jedem Ton.
NBK vom 12. April 2011
Quasi-Quintett Prag, 12. März 2011.
Klavierquintett.
Die Interpreten im Alter von 19 bis 24 Jahren steigerten sich nach anfänglicher Zurückhaltung in einen wahren Spielrausch, setzten mit dem Scherzo allegretto aus dem Klavierquintett g-Moll von Dmitri Schostakowitsch einen umjubelten Glanzpunkt. Das Streicherensemble, am Anfang seiner Karriere und mit dem ersten Auslandsauftritt in Thurnau, lässt einen steilen Weg nach oben erahnen. Die Musiker harmonisieren bereits prächtig und erwiesen sich auch als anspruchsvolle Solisten. Eine Besucherin schwärmte nach der Aufführung: „Ich bin noch ganz hingerissen, die jungen Leute haben mich restlos überzeugt. Eine solche musikalische Kraft und Spiellust von Nachwuchsinterpreten habe ich selten gehört.“
NBK vom 14. März 2011
Hubert Burghardt, 9. Oktober. 2010.
Kabarett. „Zyniker wirst du erst durch jahrelange Frustration, wenn du die Hoffnung auf die Weltrevolution aufgegeben hast“, zog Hubert Burghardt als abgebrühter Geschäftsmann sein
(Bühnen-) Lebensfazit. Und mit Zynismus und beißender Ironie verdient er sich auch in Wirklichkeit seinen Lebensunterhalt, denn Burghardt ist Kabarettist. „Weltverbesserer“ heißt das Programm, mit dem er im Kutschenhaus des Thurnauer Schlosses auf Einladung des Vereins Kultur in Thurnau für Lacher, Gänsehaut und langen Applaus beim Publikum sorgte.
NBK vom 11. Oktober 2010
Egal, wie gefährlich es auch ist, Hubert Burghardt lässt in seinem Programm „Weltverbesserer“ kein prekäres Thema aus. Ob Pflegesituation oder atomares Zwischenlager, ob Gottesglaube oder Cranberrie-Hype, Kinderwünsche und Marathonwahn – alles wird mit einem wahren Wortfeuerwerk auf´s Korn genommen. … In der Rolle des etwas trotteligen, sehr aufgeregten Gandolfs, der zwar nicht auf der Höhe der Zeit, aber ein erbitterter Atomgegner ist, frotzelte er gegen Gottesglauben und die Schwierigkeiten bei Adoptionsverfahren. Zwischendurch singt er Lieder, die ebenso von Bissigkeit und Bosheit strotzen.
BR vom 10. Oktober 2010